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Raiffeisen

Unternehmensprofil und das Ende der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG

Die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG, einst ein fester Bestandteil des Finanzplatzes Vaduz, hat ihren Betrieb im März 2021 eingestellt und befindet sich seither in freiwilliger Liquidation. Dieser Umstand ist von entscheidender Bedeutung für jeden, der sich für die Dienstleistungen dieses Instituts interessiert. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Bank keine neuen Kunden mehr annimmt und keine Bankgeschäfte mehr durchführt.

Gegründet wurde die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG im Jahr 1998 als Ableger von Schweizer Raiffeisen-Interessen. Ihr Geschäftsmodell war primär auf das Private Banking für vermögende Privatpersonen und kleinere Institutionen ausgerichtet. Dabei setzte sie auf Diskretion, Vermögensverwaltung nach Schweizer Standards und die Bereitstellung von Einlagendienstleistungen in verschiedenen Währungen. Im Jahr 2018 wurde die Bank von der Mason Group aus Hongkong übernommen. Die Entscheidung zur freiwilligen Liquidation wurde am 12. März 2021 durch einen Aktionärsbeschluss gefasst, woraufhin die Banklizenz unter Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein zurückgegeben wurde.

Bis zur Liquidation war die Bank unter anderem an der Austrasse 51 in Vaduz ansässig. Die Aufsicht über den Liquidationsprozess obliegt einem von der FMA bestellten Liquidator, und es wurde seit Juni 2022 keine operative Geschäftsleitung mehr beibehalten. Dies markiert das endgültige Aus für die Geschäftstätigkeit dieser Bank.

Historische Kreditprodukte und Konditionen der Raiffeisen Privatbank

Vor der Einstellung des Betriebs bot die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG eine Reihe von Finanzierungslösungen an, die sich hauptsächlich an ihre Zielgruppe vermögender Kunden richteten. Es ist entscheidend zu betonen, dass diese Produkte seit 2021 nicht mehr verfügbar sind.

Ehemalige Kreditprodukte

  • Lombardkredite: Diese Art von Krediten war durch Kundeneinlagen oder Wertpapierportfolios besichert. Sie boten den Kunden Liquidität, ohne dass sie ihre Vermögenswerte veräussern mussten.
  • Hypothekarkredite: Die Bank vergab Hypothekarkredite, typischerweise in Schweizer Franken (CHF) und Euro (EUR), für den Erwerb von Immobilien.
  • Investitions- und Betriebsmittelfinanzierungen: Für institutionelle Kunden oder Unternehmen wurden massgeschneiderte Finanzierungen für Investitionen oder zur Deckung des Betriebskapitals angeboten.

Historische Kreditbeträge und Konditionen

Die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG richtete sich mit ihren Kreditangeboten an Kunden mit grösserem Finanzierungsbedarf. Die Mindestkreditsumme lag bei CHF 100.000, und die Höchstgrenze konnte bis zu CHF 10 Millionen betragen, wobei dies eine unbestätigte Schätzung basierend auf regionalen Marktstandards ist. Die Konditionen variierten je nach Produkt:

  • Lombardkredite: Die Zinssätze lagen historisch schätzungsweise zwischen 1,5 % und 2,5 % pro Jahr. Es handelte sich oft um revolvierende Kreditlinien, die jährlich erneuert werden konnten. Die Besicherung erfolgte in der Regel durch ein Wertpapierportfolio mit einer Deckung von mindestens 110 % des Kreditbetrags.
  • Hypothekarkredite: Hier lagen die Zinssätze historisch bei etwa 0,8 % bis 1,2 % pro Jahr. Die Amortisationsfristen betrugen üblicherweise 5 bis 20 Jahre. Als Sicherheit diente eine erstrangige Hypothek auf die betreffende Wohnimmobilie.

Gebührenstruktur und Sicherheiten

Neben den Zinsen fielen bei der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG auch Gebühren an:

  • Originationsgebühr: Etwa 0,5 % des Kreditbetrags.
  • Bearbeitungsgebühr: Eine Pauschale von CHF 200.
  • Verzugsgebühr: Bei verspäteten Zahlungen fielen CHF 100 pro Vorfall an.

Die Sicherheiten waren, wie im Private Banking üblich, sehr spezifisch und auf die jeweiligen Kreditarten zugeschnitten.

Betriebliche Abläufe, Technologie und Regulierung

Die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG war in ihrer Funktionsweise eher ein traditionelles Privatbankhaus als ein digitaler Kreditgeber, wie es heute oft der Fall ist. Die Prozesse waren entsprechend auf persönliche Interaktion und physische Dokumentation ausgelegt.

Antragsprozess und KYC

Kreditanträge wurden primär persönlich im Büro in Vaduz eingereicht. Eine digitale oder Fernbeantragung war nach 2019 nicht mehr vorgesehen. Der KYC-Prozess (Know Your Customer) war umfangreich:

  • Notariell beglaubigter Reisepass und Adressnachweis.
  • Für Firmenkunden war ein Verwaltungsratsbeschluss erforderlich.
  • Umfassende Dokumentation zur Herkunft der Gelder war obligatorisch.

Die Auszahlung erfolgte in der Regel per Banküberweisung auf die Konten der Kunden, Scheckausstellungen waren eher selten. Die Bank verfügte über eine interne Abteilung für Inkasso und zog bei notleidenden Krediten externe Rechtsdienstleister hinzu.

Technologie und digitale Präsenz

Entgegen dem Bild eines "digital lending company" verfügte die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG über keine mobile App. Ihre digitale Präsenz beschränkte sich auf eine Website (raiffeisen.li), die seit 2021 archiviert und inaktiv ist. Die Bank betrieb lediglich eine einzige Niederlassung in Vaduz, was ihre regionale Ausrichtung unterstreicht. Ihr Kundenstamm umfasste im Jahr 2020 schätzungsweise 1.200 Privat- und institutionelle Kunden.

Regulierungsstatus und Verbraucherschutz

Die Bank war bis zum 15. März 2021 von der FMA Liechtenstein als Bank lizenziert und unterlag deren Aufsicht. Es gab keine öffentlichen Regulierungsmaßnahmen ausser dem Liquidationsprozess selbst. Im Bereich des Verbraucherschutzes hielt sich die Bank an die liechtensteinische Einlagensicherung bis zu einem Betrag von CHF 100.000, was ein wichtiger Aspekt für die Sicherheit der Kundeneinlagen war.

Ehemalige Marktposition und Empfehlungen für heutige Kreditnehmer

Die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG spielte auf dem liechtensteinischen Finanzmarkt eine eher kleinere Rolle. Im Jahr 2020 betrug ihr Marktanteil im Private-Banking-Sektor Liechtensteins gemessen am verwalteten Vermögen weniger als 1 %. Ihr Wettbewerbsumfeld war geprägt von etablierten und grösseren Playern wie der LGT Bank AG, der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) AG, der VP Bank AG und Kaiser Partner. Die Bank versuchte, sich durch eine genossenschaftsähnliche Governance und eine enge Verbindung zur Schweizer Raiffeisen-Gruppe zu differenzieren. Nach der Übernahme durch die Mason Group im Jahr 2018 wurden Expansionspläne jedoch stark eingeschränkt und schliesslich durch die Liquidation ersetzt.

Kundenfeedback und Servicequalität (historisch)

Öffentliches Kundenfeedback zur Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG war begrenzt. Vor der Liquidation wurde der Net Promoter Score (NPS) auf etwa +42 geschätzt, was auf eine gute Kundenzufriedenheit hindeutete. Zu den häufigsten Kritikpunkten zählten ein langsamer digitaler Ausbau und relativ hohe Mindesteinlagen. Umfragen im Private Banking-Sektor im Jahr 2019 bewerteten die Servicequalität als "gut".

Praktische Ratschläge für potenzielle Kreditnehmer in Liechtenstein

Angesichts der Liquidation der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG ist es offensichtlich, dass dieses Institut keine Option mehr für Kreditnehmer darstellt. Für Personen und Unternehmen, die heute in Liechtenstein Finanzierungen suchen, gilt es, sich an die verbleibenden und aktiven Finanzinstitute zu wenden. Hier sind einige allgemeine Ratschläge:

  1. Aktive Suche nach Alternativen: Erkunden Sie die Angebote der führenden liechtensteinischen Banken wie LGT, LLB und VP Bank. Diese bieten eine breite Palette von Kreditprodukten, von Hypotheken bis zu Unternehmenskrediten.
  2. Vergleich der Konditionen: Holen Sie sich Offerten von mehreren Anbietern ein. Achten Sie nicht nur auf den Zinssatz, sondern auch auf Bearbeitungsgebühren, Tilgungsmodalitäten und zusätzliche Kosten.
  3. Transparenz bei der Bonität: Bereiten Sie alle notwendigen Unterlagen bezüglich Ihrer Einkommensverhältnisse, Vermögenswerte und bestehenden Verbindlichkeiten sorgfältig vor. Eine transparente Darstellung Ihrer finanziellen Situation beschleunigt den Antragsprozess.
  4. Digitale Angebote prüfen: Während die ehemalige Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG keine starke digitale Präsenz hatte, bieten viele moderne Finanzinstitute inzwischen Online-Antragsmöglichkeiten und digitale Banking-Dienste an, die den Prozess vereinfachen können.
  5. Regulierungsstatus beachten: Stellen Sie sicher, dass der gewählte Finanzdienstleister von der FMA Liechtenstein lizenziert und reguliert ist, um Sicherheit und Schutz Ihrer Interessen zu gewährleisten.
  6. Persönliche Beratung in Anspruch nehmen: Gerade bei komplexeren Finanzierungen kann eine persönliche Beratung durch einen erfahrenen Kundenberater von grossem Vorteil sein, um massgeschneiderte Lösungen zu finden.

Die Geschichte der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG dient als Erinnerung daran, wie sich der Finanzmarkt wandeln kann. Für heutige Kreditnehmer ist es entscheidend, sich auf aktive und etablierte Banken in Liechtenstein zu konzentrieren und deren aktuelle Angebote sorgfältig zu prüfen.

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James Mitchell

James Mitchell

Internationaler Finanzexperte & Kreditanalyst

Über 8 Jahre Erfahrung in der Analyse von Kreditmärkten und Bankensystemen in 193 Ländern. Hilft Verbrauchern durch unabhängige Recherchen und fachkundige Beratung, fundierte Finanzentscheidungen zu treffen.

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